Das letzte osmanische Bad in Sofia
Das älteste und einzige erhaltene osmanische Bad in Sofia liegt am Rande der Stadt, am Fluss, in der Schlucht zwischen zwei Bergen – in einem Ort, der für seine kühlen Mineralwasserquellen bekannt ist. Bereits im 17. Jahrhundert besuchte der berühmte osmanische Reisende Evliya Çelebi diesen Ort und berichtete über sein „berühmtes kleines Bad“. Später wurde das Bad häufig vom ersten Fürsten Bulgariens sowie von vielen anderen bekannten Persönlichkeiten besucht.
Mit der Europäisierung der Stadt Ende des 19. Jahrhunderts blieb auch dieses Bad nicht unberührt. Es wurde jedoch – anders als die übrigen osmanischen Bäder Sofias – nicht abgerissen, sondern umgebaut und erweitert. Der Verfall begann bereits in den 1980er-Jahren, seit 2011 ist das Gebäude geschlossen. Ein drohender Abriss im Zuge einer geplanten Straßenerweiterung sowie eine Baugenehmigung für ein 20 m hohes Gebäude mit mehreren Tiefgaragen in unmittelbarer Nähe gefährden auch die Wasserquelle.
Trotzdem steht das Bad unter Denkmalschutz. Diese Abschlussarbeit für den Aufbaukurs an der École de Chaillot soll die Stadtverwaltung davon überzeugen, dass dieses Bad für Sofia von großer Bedeutung ist und nicht abgerissen, sondern zu neuem Leben erweckt werden sollte. Im Zuge meiner Recherchen habe ich gemeinsam mit lokalen Aktivisten bei der Denkmalschutzbehörde einen Antrag auf Erhöhung der Denkmalschutzstufe eingereicht – hoffentlich mit Erfolg.
Mein architektonischer Ansatz hebt das osmanische Erbe als historisches, architektonisches, kulturelles und soziales Erbe der Region hervor. Gleichzeitig sollen die Bauvolumen der späteren Erweiterungen beibehalten werden, da sie inzwischen untrennbar mit dem Bad und seiner Wahrnehmung durch die Bewohner verbunden sind. Alle Bauphasen sollen sichtbar bleiben – in einem harmonischen, aber zugleich modernen und zeitgenössischen Ansatz, der eine neue Ära dieser für Bulgarien so bedeutenden Badekultur einleitet.